Sunrise


ABC zum Jakobsweg - Assoziationen

A - Anfang: Wenn man erst einmal losgegangen ist, geht es einfach immer weiter.

B - Besinnung: Dazu bin ich in der Stille und Stimmung gekommen.

C - Christentum: Ihr werdet überrascht sein, aber nach meiner Erfahrung und der anderer Pilger sind es nur etwa 1%, die wirklich aus religiösen Gründen pilgern.

D - Du: Unter Pilgern ist es i.d.R. üblich, dass man sich duzt. Nur in wenigen Fällen wurde ich zunächst - oder aber grundsätzlich - mit Sie angesprochen.

E - Entscheidungen: Muss man auch auf dem Camino treffen. Jedoch sind sie hier eher unmittelbarer Art. Und sie sind weder richtig noch falsch - wenn man sich einmal nicht ganz so optimal entscheidet, dann kann man es immer noch beim nächsten Mal besser machen. Wie aber sollte man aus seinen Fehlern (die man sich selbst definiert) lernen, wenn man sie nicht zuvor erst einmal gemacht hat? Diese Angst vor Entscheidungen ist einfach unnötig. Ich denke, auch im Alltag ist das die richtige Einstellung.

F - Frömmigkeit: Ist auf dem Camino KEINESWEGS ein Muss (siehe auch "C".

G - Gelassenheit: Erwirbt man sich auf dem Camino immer mehr (ich zumindest).

H - Heiliger St. Martin: Ihm ist eine Kirche in Fromista gewidmet. Doch hätte ich nicht in Villarmendore del Campos 2 Postkarten in den Briefkasten zu stecken gehabt, wäre ich nicht der Fru begegnet, die mir die dortige (!) Kirche St. Martin gezeigt hätte - mir wäre etwas entgangen. :-)

I - Iglesias: Davon habe ich natürlich so viele gesehen, dass ich sie nicht mehr zählen kann, davon einige auch von innen (die hiesige Santiagokirche ist wirklich ein Schatzkästchen!).

J - Ja: Wenn man mal wieder die Spanier, mit denen man gerade redet, nicht versteht, weil sie viiiiiel zu schnell sprechen, dann sagt man aus Hóflichkeit einfach "si, si".

K - Kruzifixe: Daran erkennt man, ob man sich noch auf dem Camino befindet, sofern die Pfeile mal fehlen oder allzu versteckt sind. *fg*

L - Lamm: Spanien ist das Land der (obendrein oft freilaufenden)Schafe und Ziegen! Deshalb ist der queso de cabra (Ziegenkäse) wohl auch die preisgünstigste Käsesorte, die man hier kaufen kann. ;-)

M - Mondscheinwanderung: ist im Grunde etwas Schönes... unabhängig von den Motiven. :-) (bezieht sich auf ein weiter zurückliegendes Erlebnis, von dem ich schon berichtete).

N - Nachtgeräusche (Chrrrrrrr... ;-))

O - Orangensaft am Morgen, natürlich frisch gepresst und zu annehmbaren Preisen (ein weiterer Vorteil von Spanien).

P - Palencia :-).

Q - Quellen: Auch die gibt es reichlich am Camino - es muss also niemand verdursten. Achten sollte man nur auf die Bezeichnung "agua potable" für Trinkwasser oder entsprechendes Zeichen.

R - Rosengarten im Park von Carrion de los Condes.

S - SOS: Dieser Fall ist bisher noch nicht eingetreten. :-)

T - Teilen: ist unter Pilgern selbstverständlich; sei es, wenn jemand etwas braucht, das man selber hat (Mittel gegen Sonnenbrand o.ä.), oder dass man etwas von seinem regional typischen Gebäck abgibt, das man an dem jeweiligen Ort gekauft hat.

U - Uhr: überrascht einen immer wieder und stimmt in der Zeit nicht immer mit der gefühlten verstrichenen Zeit überein. ;-)

V - Vertrauen: Das A und O - auch auf dem Camino. Das kann man übrigens auch, denn man trifft praktisch nur auf vertrauenswürdige Wesen (also nicht wie in dem Buch von Coelho, der den Jakobsweg vor immerhin 30 Jahren - ! - ging).

W - Wein: Besonders zu empfehlen sind der aus La Rioja und der Navarrawein. Ansonsten trinkt man am besten immer den, der in der jeweiligen Region auch angebaut wird (gut, hier in Kastillien ist gerade keine Weingegend - ausser Getreide wird hier nicht viel angebaut ;-)).

X - siehe "K".

Y - Yaks: falsches Land. *ggg*

Z - Zufriedenheit: Ja, das bin ich! Jeden Tag!

15.6.07 21:31


Zwischenbilanz

Jetzt habe ich ja schon etwa die Hälfte des Camino bewältigt. Zeit für eine kurze Zwischenbilanz.

(Wenn ich übrigens bisher noch nichts in dieser Kategorie "mi pensamientos" geschrieben habe, so liegt das übrigens NICHTdaran, dass ich nichts denken würde. Es würde jedoch den Rahmen sprengen, ALLE Gedanken, die mir auf dem und um den Camino herum kommen, hier darzulegen - vorwiegend schreibe ich diese für mich in meinem Reisetagebuch auf.)

Während ich auf der ersten Hälfte des Weges noch viele neue Eindrücke zu verarbeiten hatte (und meine Gedanken mehr allgemeiner, philosophischer Art waren), merke ich, dass ich im weiteren Verlauf immer gelassener werde und meine Gedanken immer mehr auf mich selbst konzentriere (also Dinge, die mich selbst, meine Ziele, Fähigkeiten und Wünsche uvm. betreffen. In diesem Punkt bin ich gerade heute ein gutes Stück weiter gekommen.

Insofern sind es demnach nicht nur (aber natürlich auch) die Dinge, die ich erfahre und erlebe, die Menschen, die ich kenne lerne, die Kultur und Natur, die ich mitbekomme, die den Jakobsweg zu etwas Besonderem machen. Es ist nicht nur die Neugierde auf diese Dinge, die mich immer wieder motivieren, weiterzugehen.

Vielmehr ist es auch ein Weg zu mir selbst. Klar musste es dafür nicht unbedingt DIESER Weg sein - aber er bot sich eben dafür an. Und ich bereue es keine einzige Minute, ihn gegangen zu sein! Schon jetzt hat er mir so viel mitgegeben wie es ein ganzs Jahr Alltag nicht hat schaffen können. :-)

Und noch etwas ist mir aufgefallen: Wenn ich praktisch den ganzen Tag  mit mir selbst allein bin, dann FREUE ich mich richtig, abends im Ort und in der Herberge Menschen anzutreffen, mit denen ich mich unterhalten oder ihnen auch mal zuhören kann. Für mich ist das eine enn nicht ganz neue, so doch eine ungewöhnliche Erfahrung - im Alltag war es oft sogar umgekehrt so, dass ich froh war, wenn ich meine Ruhe hatte und dass ich nicht zu jeder Zeit Menschen um mich herum gebrauchen konnte. Nun bin ich dankbar für jede Begegnung.

15.6.07 21:06


Fromista im Regen

Okay, gerade als ich die trockene Herberge - patschnass von oben bis unten - erreichte, hat der "Monsun a la Espagna" aufgehört. Nun bin ich warm geduscht und in trockene Kleidung gehüllt. Ich will mal hoffen, dass meine Schuhe (und die anderen Sachen natürlich auch) bis morgen trocken sind. ;-)

Bereits auf dem Weg von Itero de la Vega Richtung Boadilla habe ich bemerkt, dass der geschenkte Billigregenmantel aus Plastik bei dem Wind nicht viel taugt (mein richtiges Regencape hatte ich schon etwa vor einer Woche in einer Herberge vergessen - selbiges passierte mir heute mit meinem Stock, was ich bei letzterem aber nicht so bereue wie bei dem Regencape!).

In der Herberge von Boadilla habe ich dann eine trockene Pause bei einer guten Bohnensuppe, einem Tee und anschliessend (da es wetterlich noch nicht besser wurde) einer grossen Tasse Café con leche eingelegt und mich dabei mit ein paar Franzosen unterhalten, die ebenfalls noch bis hierher gekommen sind, allerdings schon vor mir von dort wieder aufgebrochen sind.

Nun bin ich also - trotz einer unbezeichneten Weggabelung, an der ich einfach meiner Intuition gefolgt bin, die sich übrigens als richtig erwies - gut hier in Fromista angekommen. Macht 15 km für heute. Gestern war3en es 20, und vorgestern dafür (mein neuer "Rekord" 30 km.

14.6.07 17:44


El Cid

Nachdem ich mich ein wenig über ihn schlau gemacht habe, kann ich es gar nicht mehr so gut verstehen, warum er in Burgos als Held gilt. ;-)

Zitat Wikipedia: "Rodrigos Herrschaft in Valencia wird in den Quellen übereinstimmend als ein strenges Regiment beschrieben. Berichtet wird von Spitzelwirtschaft, Folterungen und grausamen Bestrafungen ihm feindlich gesinnter Bürger."

Klar, dass so etwas auf den Infotafeln nicht erwähnt wird...

Alles über El Cid

11.6.07 18:43


Mittagspause :-)

Habe schon lecker gegessen hier in Villoria de Rioja. Es tut gut, eine Pause zu machen bei diesem heissen Wetter heute mal wieder.

Noch 9 km habe ich vor mir bis Belorado, das ich mir als heutiges Tagesziel gesetzt habe.

Sicherlich werde ich heute Abend sehr müde sein, zumal ich die letzte Nacht absichtlich in der freien Natur verbracht habe. Ich wollte diese Erfahrung einfach mal machen. Jetzt weiss ich ein gutes Bett und eine Dusche noch besser zu schätzen. ;-)

Kurz und knapp: Ich habe die ganze Nacht über die Frösche quaken gehört, kaum geschlafen, es war ungemütlich und doch etwas kühl. Die Nacht bestand also nach meinem Gefühl hauptsächlich aus Warten auf den Morgen. Als mir dies zu lange dauerte, habe ich mich im Mondschein auf den Weg Richtung Santa Domingo de la Calzada gemacht.

Also: Noch einmal mache ich das nicht! Aber es war die Erfahrung wert. Auch wenn man mich dafür für verrückt halten mag. :-)

8.6.07 14:56


Logrono

Schon seit heute Mittag bin ich in Logrono (war ja auch nicht weit - nur 10 km) und habe beschlossen, gleich dort in der Pilgerherberge zu bleiben, um mir besser die Stadt anschauen zu können (was ich bereits getan habe), ein wenig Proviant einzukaufen, Postkarten zu schreiben und mir einfach etwas Entspannung zu gönnen. Nicht dass das unbedingt notwendig gewesen wäre - Energie hätte ich noch genug gehabt, ich habe keinerlei Beschwerden und mir geht es gut - aber ich wollte mir das einfach mal genehmigen.

Denn morgen will ich es dann möglichst gleich bis nach Najera schaffen (26 km). Wäre ich heute direkt bis nach Navarreta weitergegangen, wäre die Strecke sehr viel kürzer - die Kürzeste bisher. Aber wozu soll ich mich beeilen, wo ich doch noch so viel Zeit habe? Ich bin sowieso schon erstaunlich weit gekommen (etwa 1/6 der Gesamtstrecke, 166 km) für diesen kurzen Zeitraum, der mir übrigens gar nicht sooo kurz vorkommt.

Einerseits ist mir, als wäre ich schon so lange unterwegs, dass ich auf dem Camino fast eine zweite gefühlte "Heimat" gefunden habe - andererseits ist die Zeit aber auch wie im Fluge vergangen, so dass ich es noch kommen sehe, dass ich - einmal in Santiago angekommen - noch sagen werde: "Wie? Das war's schon?" *gg*

Viele Menschen sieht man auf dem Jakobsweg im Laufe der Zeit auch immer wieder; andere wiederum begleiten einen nur teilweise, weil sie nicht die Zeit haben, den ganzen Camino an einem Stück zu gehen.

5.6.07 19:03


Estella

Heute nur ein kurzes Lebenszeichen, da ich a) muede bin, und b) bis gerade das Internet hier in der Herberge von einem anderen Nutzer blockiert worden war, der offensichtliche Probleme mit der spanischen Tastatur hatte.

Ich kam um etwa 19.00 Uhr hier in Estella an. Die Landschaften sind eine schoener als die andere. Heute zum Beispiel die Olivenhaine, Weinanbauten, Weizenfelder in die sich rote Mohnblueten gesaet haben... natuerlich auch immer wieder alte Gebaeude, Kirchen, am heutigen Tag auch eine Einsiedelei. Einiges werdet Ihr sicherlich spaeter noch auf den Fotos, die ich zeigen werde, sehen.

Was mich am Camino ausserdem besonders fasziniert, das sind die verschiedenen Gruende, um derentwillen die Menschen ihn gehen. Und obwohl alle im Grunde den gleichen Weg gehen, geht jeder ihn anders und auf seine Weise.

So, nun beende ich fuer heute. Gute Nacht!

2.6.07 22:31


[erste Seite] [eine Seite zurück]  [eine Seite weiter] Gratis bloggen bei
myblog.de